(B.W.) Das Backwesen „außerhalb der eigenen vier Wände“ hat in Braunenweiler lange Tradition. Schon 1761 erwarb Matthäus Stadler (1723-1789, gebürtiger Braunenweiler, von 1756 bis 1761 in Hettingen/Hohenzollern auf seinem eigentlichen Beruf als Bierbrauer tätig) bei der Reichs-Erbtruchsessischen Herrschaft von Friedberg-Scheer mit Sitz in Dürmentingen eine herrschaftliche Back-Konzession; hierzu das Dürmentinger Amtsprotokoll vom 27.2.1761:

 

„Auf daß aber dem Ort in Zukunft mit nöthigem Brodt besser vorgesehen werde, wird dem schon lang um die Bachens Erlaubung supplicirenden Mathäus Stadler eine solche mit dem Vorbehalt unter welchem er mit seinem Weib als Hintersäß zu Braunenweiler geduldet wird, nämlich dass gedachte Herrschaft so oft oder so bald es ihr beliebet, ein oder ander von diesen gnädigen Concessionen wieder einschränken oder gar aufheben möge, gegen deme zu bachen in Gnaden verwilliget, dass er fordersamst das ausständige Hintersaßgeld entrichten und sich sodann bey dem Handwerk abfindig und zu Meister machen lassen solle. Dabey aber wird all fernerer Brodthandel in so lang eingestellet, bis der herrschaftliche Ammann die fernere Anzeig machen wird, dass die Becken sammetlich das Dorf nicht genugsam mit Brodt versehen.“

 

Mätthäus Stadler hatte seine Backstube im heutigen Haus Knoll (Federseestraße 49). Sein Sohn Joseph Stadler (1763-1828) und dessen Sohn Gottfried Stadler (1792-1858) führten die Bäckerei weiter. Mit Gottfried Stadler, der 1843 in einen Neubau in die Eggatsweiler Straße (später „Dirlewangers Speicher“, heute Feuerwehrhaus) umzog und keine Nachkommen hatte, ging diese Stadlersche Bäcker-Dynastie wieder zu Ende.

1852 kam mit dem ebenfalls in Braunenweiler geborenen Guido Strigel (1795-1862) ein neuer Bäcker ins Dorf. Guido Strigel war zunächst in Bolstern verheiratet, kaufte 1836 das spätere Unger-Anwesen (Renhardsweiler Str. 11), wo er eine Speisewirtschaft betrieb. Dort machte er 1846 Konkurs, ging wieder nach Bolstern, um 1850 von dort wieder an seinen Geburtsort Braunenweiler zurückzukehren und hier das heutige Haus Rauh (Federseestraße 13) neu zu bauen, wo er eine eigene Bäckerei einrichtete und betrieb. Ob die Bäckerei nach seinem Tod im November 1862 weiterbetrieben wurde und von wem, ist nicht nachgewiesen.

 

Jedenfalls verkaufte seine Tochter Franziska Strigel im Jahr 1906 ihr elterliches Anwesen samt Backstube an den in Ennetach geborenen Bäcker Franz Bertler (1871-1927), der es 1917 noch durch einen Scheueranbau erweiterte. Nachdem Bäcker Bertler in Braunenweiler zunächst recht gut zurecht gekommen war und eine Zeit lang sogar mehrmals pro Woche zu Fuß nach Saulgau ging, um seine dortigen Stadtkunden direkt zu beliefern, ging das Geschäft in den Inflationsjahren nach dem ersten Weltkrieg dann mehr und mehr kaputt. Wegen der zunehmenden Teuerung backten immer mehr Braunenweiler Familien ihr Brot wieder im eigenen Ofen. 1922 gab Bäcker Bertler schließlich auf und hielt sich und seine Familie mit seiner kleinen Landwirtschaft über Wasser. Franz Bertler verstarb 1927, seine Ehefrau Maria Anna (1872 geborene Tochter des Nagelschmieds Josef Eisele) im Oktober 1932. Da beide Töchter auswärts in Stellung waren, wurde das Haus verkauft, und zwar an den 1895 im Nachbarhaus geborenen Maurer Karl Rauh.

 

22 Jahre nach Geschäftsaufgabe des letzten Bäckers kam es im Frühjahr 1944 zur Eröffnung einer Gemeindebackstube: Mit einem für 1000 Mark gekauften elektrischen Backofen wurde in der leerstehenden Backstube im Hause Rauh der öffentliche Backbetrieb aufgenommen. Karl Rauh bekam 10 Mark Miete. Die Backgebühren betrugen 4 Pfennig für das Kilogramm Brot. Erste Backfrau wurde Rosa Gaßebner geb. Rieß (eine in „Sonnenmosers Speicher“ wohnende Kriegerwitwe), die als Backlohn ein Drittel der Backgebühren für sich behalten durfte. Als sich Rosa Gaß-ebner 1947 mit Josef Kleck nach Lampertsweiler verheiratete, entschied sich der Gemeinderat unter mehreren Bewerberinnen für Karolina Kohler als neue Backfrau. Nach der Währungsreform im Juni 1948 und der damit verbundenen Geldverknappung wurden die Backpreise neu festgelegt: Das Kilo Brot oder eine Dennet kosteten nun 3 Pfennig, ein Kuchenblech 7 Pfennig, davon blieb der Backfrau wie bisher ein Drittel als Backlohn.

Weil die Familie Karl Rauh die Räumlichkeiten der Backstube nun selbst brauchte, beschloß der Gemeinderat am 24. April 1950 den sofortigen Neubau eines neuen Wasch- und Backhauses unter einem Dach auf der gemeindeeigenen Parzelle 71/1 „am Dorfweiher“. Zur Deckung der nicht unerheblichen Baukosten – der genaue Betrag ist nicht überliefert – erwartete die Gemeinde einen 50-Prozent-Zuschuss aus den „Landesmitteln zur Schaffung besonderer kommunaler Einrichtungen“. Bei einer am 23. April vorangegangenen Bürgerversammlung hatten sich 53 der 57 teilnehmenden Gemeindemitglieder für das Neubauprojekt ausgesprochen. Möglicherweise als Folge dieser Investition wurden im Dezember 1950 neue Backpreise festgelegt: 1 kg. Brot 4 Pfennig, 1 Dennet 3 Pfennig, 1 großes Kuchenblech 15 Pfennig, ein kleines 10 Pfennig. Beim Lohn für die Backfrau blieb es bei der Drittellösung, wobei diese Entschädigung auch alle Nebenarbeiten mit einschloss.

Nachdem Karolina Kohler auf 1. März 1953 gekündigt hatte, übernahm Josefine Pappalau den Dienst in der Backstube. Als diese bereits im Mai 1955 wieder aufhörte, wurde die in unmittelbarer Nachbarschaft des Backhauses (im heutigen Haus Hahn) wohnende Frida Szabo als neue Backfrau angestellt. Aber schon im Oktober 1955 wurde die Stelle wieder frei, weil die Familie Szabo in Tannhausen eine neue Bleibe gefunden hatte und dorthin umzog. Der Backdienst wurde an Fanny Dingler vergeben, die vorher schon die Gemeinde-Waschküche übernommen hatte und nun für beide Gemeindedienste zusammen mit einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 100 DM (einschließlich Sozialversicherung) rechnen konnte.

 

1957 musste ein neuer Backofen angeschafft werden; der Gemeinderat bewilligte hierfür 5.000 DM im außerordentlichen Haushaltplan. 1960 wurde eine „Backordnung“ verabschiedet, 1963 kamen neue Gebührensätze: Der Backpreis für 1 Kilo Brot wurde von 6 auf 9 Pfennig hochgesetzt, eine Dennet kostete nun 6 Pfennig (bisher 3), ein großes Kuchenblech 13 Pfennig (10), ein kleines 10 Pfennig (7). Gleichzeitig bekam die Wasch- und Backfrau Fanny Dinglerentsprechend mehr Lohn. Eine weitere Preisanpassung auf 15 Pfennig für das Kilo Brot und 10 Pfennig für die Dennet ist terminlich nicht mehr genau nachvollziehbar.

Nach fast genau 20 Jahren am Gemeindebackofen gab Fanny Dingler im Herbst 1975 ihren Dienst wieder auf, um zu ihrem Sohn Werner nach Berlin umzuziehen. Neue Backfrau wurde nun Paula Hagmann. Allerdings nur bis zu ihrem Tod am 28.7.76. Anschließend übernahm Senze Haller den Dienst am nunmehr der Stadt Saulgau gehörenden Gemeindebackofen in Braunenweiler. Hier die bisherigen Braunenweiler Backfrauen von Rosa Gaßebner bis Hedi Stützle mit Lebensdaten und ihrer Dienstzeit im Backhaus:

 

 

Die Backfrauen in Braunenweiler:          

Rosa Gassebner

Karolina Kohler

Josefine Pappalau

Frida Szabo

Fanny Dingler

Paula Hagmann

Senze Haller

Hedi Stützle

Corinna Laschewski

1944 - 1947 1947 - 1953 1953 - 1955 1955 1955 - 1975 1975 - 1976 1975 - 1988 1988 - 2008 seit 2008

* 1916

+ 1996

* 1919

+ 2005

* 1912

+ 1990

* 1918

+ 1989

* 1912

+ 2003

* 1908

+ 1976

     


Im Januar 1975 war Braunenweiler im Zuge der Kommunalreform in die Stadt Saulgau eingemeindet worden, der Gemeindebackofen stand von nun an unter der Oberregie der Stadtverwaltung. Und obwohl man die Backpreise im Oktober 1976 annähernd verdoppelt hatte (der Backpreis für ein Kilo Brot stieg von 0,15 DM auf 0,25 DM, für die Dennet von 0,10 DM auf 0,20 DM), monierten die in streng betriebswirtschaftlichen Schablonen denkenden Stadtoberen schon bald den defizitären Backbetrieb in Braunenweiler. Immer wieder kam aus Saulgau das Ansinnen, das – nach Meinung der Stadtkämmerei immer unwirtschaftlich bleibende – Backhaus zu schließen. Daran änderte auch die kräftige Preisanpassung im September 1979 nicht viel, als die Backgebühr für ein Kilogramm Brot auf 0,80 DM und für die Dennet auf 0,50 DM erhöht wurde. Ab August 1985 ging der Backpreis für das Kilo Brot nochmals auf 1,25 DM nach oben.

Als sich dann das – von Ortsvorsteher Willi Sigmund initiierte und zusammen mit Backchefin Senze Haller organisierte – erste Braunenweiler Backfest am 15.9.1985 (mit Zelt am Feuerwehrhaus) als voller Erfolg erwies und man damit „fürwahr ein Traumergebnis“ erwirtschaftet hatte, kam die Idee zur Gründung einer eigenständigen Backgemeinschaft. Dann ging es Schlag auf Schlag: Am 2.12.1985 lud Ortsvorsteher Sigmund zu einer Informations- und Gründungsversammlung ein, mit dem Ziel, den Backbetrieb zu privatisieren und in eine Interessengemeinschaft zu überführen. Er gab den anwesenden Backfreunden zu verstehen: „Nur mit einer Backgemeinschaft ist es möglich, die Dorfbäckerei zu erhalten und die Backpreise so zu gestalten, dass sie für die Backenden tragbar und von Vorteil sind.“

Willi Sigmund stellte folgendes Konzept vor: Die Backgemeinschaft soll ein völlig selbständiges und nach eigenen Erkenntnissen frei arbeitendes Organ sein. Als Startmittel wird ihr seitens der Stadt die komplette Einrichtung des bestehenden Backhauses kostenlos zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt eine gespendete Knetmaschine (die sich nachher allerdings als unbrauchbar herausstellte) sowie der Reingewinn aus dem Backfest vom 15.9.1985 mit 3.500 DM als Startkapital. Auf die abschließende Frage, ob sie mit der Errichtung einer Backgemeinschaft bürgerlichen Rechts einverstanden seien, kam von den Anwesenden ein einstimmiges „Ja !“.


Die anschließende Gründungswahl brachte folgendes Ergebnis: Vorsitzender und Geschäftsführer Hermann Haller; Beisitzer Franz Baur, Hedi Stützle, Siglinde Binder und Karin Dietrich; Kassenprüfer Karl Kuon und Franz Blaser.

 

Mit Wirkung vom 1.1.1986 gingen Backstube und Backbetrieb an die „Backfreunde Braunenweiler“ über. Unter deren Regie konnten de Backpreis auf den vor 1985 geltenden Satz von 0,80 DM für das Kilogramm Brot (zwischenzeitlich 1,25 DM) zurückgefahren werden, wobei dieser Backpreis bis heute gehalten werden konnte. Als Backfrau fungierte weiterhin Senze Haller. Bis diese im Mai 1988 aufhörte und die Regie über Backofen und Backstube an Hedi Stützle weitergab. Unter der Führung der neuen Backfrau und Vorstand Hermann Haller veranstalteten die Backfreunde Braunenweiler nach dem Erntedankgottesdienst am 2. Oktober 1988 im Schul- und Rathaus sowie im Freigelände des Schulhofs ihr erstes eigenständig organisiertes Backfest, das sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich wiederum zu einer sehr erfolgreichen Veranstaltung wurde.

 

1990 erfolgte ein Wechsel an der Vereinsspitze: Für Hermann Haller übernahm nun Franz Baur die Vorstandschaft der „Backfreunde Braunenweiler“. Unter seinem Management konnte dann am 13. Oktober 1991 das Backfest erstmals in der im selben Jahr neu eröffneten Gemeindehalle abgehalten werden. Die Backfreunde waren bei ihrem Jahresfest von nun an endlich unabhängig von Wetter und Räumlichkeiten. Das erste Backfest in der neuen Halle wurde zum vollen Erfolg: Umsatz (rund 7.500 DM) und Ergebnis stimmten und füllten die Vereinskasse wieder ein Stück weit auf, so dass der Weiterbestand der Vereinigung bei gleichen Konditionen weiter gesichert war. Dies gilt auch für die in den folgenden Jahren in schöner Tradition jeweils am Erntedankfest veranstalteten Backfeste. Die aus diesen Festen resultierenden Einnahmen waren wichtige Grundlage für die notwendigen Investitionen zur Weiterführung und Modernisierung des Backbetriebes. So investierten die „Backfreunde Braunenweiler“ in den Jahren 1997 bis 2006 rund 21.300 EUR in neues technisches Gerät, darunter als „dickste Brocken“: 20.322 DM für drei neue Brotbacköfen (1997), 4.140 DM für eine Absauganlage samt Sanierung der Elektroinstallation (1997), 4.400 DM für eine neue Knetmaschine (2000), 3.080 EUR für eine neue Nudelmaschine mit 5 Matrizen (2006). Seither gehören neben dem Brotbacken auch selbst gemachte Nudeln in verschiedenen Variationen zur festen Angebotspalette der Braunenweiler Backstube

2008 übergab Franz Baur die Vorstandschaft der "Backfreunde Braunenweiler" an Wolfgang Sauter. Als Backfrau übernahm Frau Corinna Baur-Laschewski die Verantwortung im Backhaus. Wolfgang Sauter und Corinna Baur-Laschewski möchten die Backfreunde in gewohnt beliebter Weise weiterführen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Hier die aktuelle Vorstandschaft

 

  • Vorstand: Wolfgang Sauter          
    Kassiererin: Annerose Eisele          
    Ausschuß: Christine Gelder-Hagmann        
      Corinna Baur-Laschewski        
      Rita Zoll        
      Helmut Stützle        
      Hedwig Straub        
               
    Backfrau: Corinna Laschewski    
           
Stand 11/2016
116117
0180/1929345
0180/5911650
01806/077211
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